Psychosomatik bei Führungskräften: Wenn der Körper „Stopp“ sagt

Autor: Lars Heemann Heilpraktiker für Psychotherapie und Männercoach

Psychosomatik bei Menschen in Führungsrollen: Wenn Druck, Verantwortung und innere Konflikte sich im Körper zeigen.


Wenn Sie als Führungskraft tätig sind, kennen Sie das vermutlich sehr gut: dieser permanente Widerspruch: Nach außen verkörpern Sie Stärke und Orientierung – nach innen herrscht oft ein Dauerfeuer aus Verantwortungsdruck, Selbstzweifel und – wenn Sie ganz ehrlich in sich hineinhorchen – vielleicht auch manchmal etwas Einsamkeit.
Diesen Widerspruch auszubalancieren, kostet enorme psychische und emotionale Energie, und kann über die Zeit dazu führen, dass sich Erschöpfung (Burnout) oder körperliche Symptome zeigen (Somatoforme Störungen). Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist ein „Weiter so“ nicht mehr angeraten, sondern ein Innehalten und Hinschauen. Häufig mit externer Unterstützung.

SPANNUNGSFELDER, DIE SIE PRÄGEN

Führung ist nicht nur eine Rolle.

Sie ist ein psychisches Spannungsfeld.

Viele Führungskräfte bewegen sich dauerhaft in inneren Gegensätzen, die selten ausgesprochen werden – aber ständig wirken.

Vier Spannungsfelder erscheinen mir als potenziell besonders belastend .

1. STRUKTURELLE EINSAMKEIT

Je höher Ihre Führungsposition, desto kleiner wird der Kreis echter Vertrauter.

Sie können vieles nicht teilen.

Das führt oft zu einem Zustand innerer Daueranspannung:

Immer wachsam. Immer auf der Hut.

Dieser ständige Alarmzustand geht selten sehr lange gut.

2. MORALISCHER VERSCHLEISS

Sie treffen Entscheidungen – oder tragen Entscheidungen mit –, die nicht immer Ihren eigenen Überzeugungen und Werten entsprechen.

Sie müssen etwas vertreten, hinter dem Sie innerlich nicht stehen.

Vielleicht können Sie nicht einmal offen widersprechen.

Wenn wir dauerhaft gegen eigene Werte handeln, entsteht ein innerer Konflikt.

Ein Konflikt, der sich selten nur gedanklich löst.

Oft sucht er sich einen körperlichen Ausdruck oder wird auf andere Lebensbereiche verschoben (bspw. Partnerschaft).

3. ÜBERIDENTIFIKATION MIT DER ROLLE

Was passiert, wenn Ihr Selbstwert an Ergebnisse gebunden ist?

Wenn Zahlen, Ziele und Leistung darüber entscheiden, wie Sie sich fühlen?

Dann ist eine gesunde Distanz nicht mehr gegeben:

  • Schlechte Ergebnisse rauben Ihnen den Schlaf
  • Fehler lösen starke emotionale Reaktionen aus
  • Ihr Leben außerhalb der Arbeit tritt in den Hintergrund

Die Frage dahinter lautet:

Wer sind Sie und was wollen Sie im Leben – unabhängig von Ihrer Funktion?

4. AFFEKTIVE DAUERREGULATION

Führung bedeutet oft: Gefühle steuern („professionell sein“).

Sie sollen ruhig bleiben, klar denken, Orientierung geben.

Sogenannte negative Gefühle wie Wut, Unsicherheit oder Überforderung haben im professionellen Umfeld in der Regel keinen Platz. Sie sind aber dennoch da und „müssen“ dann häufig unterdrückt werden.

Unterdrückte Gefühle können von anderen und einem selbst gerne als Souveränität, Gelassenheit oder Cooleness wahrgenommen und belohnt werden.

Das Problem:

Wenn negative Gefühle unterdrückt werden, können auch sogenannte positive Gefühle mit der Zeit nicht mehr wirklich erlebt werden. Viele Menschen verlieren dadurch schrittweise den Zugang zu sich selbst. 
Das Leben verflacht emotional (evtl. durchbrochen von bspw. unerklärlichen Wutausbrüchen oder "übertriebenen" Glücksmomenten).

Und die entscheidende Frage ist:

Wo bleibt all das, was sich nicht ausdrücken darf?

WENN DER KÖRPER ÜBERNIMMT

Die Fähigkeit, Gefühle zu regulieren ist sehr wichtig. Eine gute Regulation ist ein Merkmal psychischer Gesundheit und wichtig für psychische und emotionale Stabilität.

Allerdings ist der Übergang zu einer potenziell pathologischen Verdrängung und Vermeidung fließend, also negative Gefühle gar nicht mehr zuzulassen bzw. ganz schnell wieder ins positive Denken zu kommen (pathologischer Positivismus).

Im Extremfall wird der psychische und emotionale Druck dann in den Körper verschoben, d.h. Was psychisch-emotional keinen Ausdruck findet, wird dann körperlich spürbar.

In der Psychologie spricht man von Somatisierung:

Seelische Spannungen zeigen sich im Körper.

Gerade leistungsorientierte Menschen sind darin oft besonders „gut“ – weil sie gelernt haben, weiter zu funktionieren und über ihre Grenzen zu gehen (die „extra mile“ zu gehen).

KÖRPERLICHE WARNSIGNALE ERNST NEHMEN

Es beginnt meistens ganz subtil: ein kleine Verspannung hier, eine Unkonzentriertheit dort, eine kleine Verletzung da…und zudem private Termin absagen/verschieben……

Werden die eigenen Grenzen und dder seelische Druck weiterhin ignoriert, kommt es häufig zu einer Verschlimmerung der körperlichen Symptomatik:

  • Schlafstörungen mit Grübeln und Gedankenkreisen
  • Herzrasen, Engegefühl in der Brust, erhöhter Blutdruck
  • Nacken- und Schulterverspannungen, Zähneknirschen (Bruxismus)
  • Konzentrationsprobleme oder Gedächtnislücken
  • innere Leere oder erhöhte Reizbarkeit
  • ..

Wichtig ist:

Diese Symptome treten ohne organischen Befund auf.

Das bedeutet nicht, dass „nichts ist“.

Im Gegenteil.

Das System Körper-Seele signalisiert, dass eine Grenze überschritten wurde.

WARUM VIELE TROTZDEM KEINE HILFE SUCHEN

Interessanterweise wissen viele Führungskräfte um die Bedeutung psychischer Gesundheit.

Und dennoch zögern sie übermäßig häufig, diese zu bearbeiten.

Typische Gründe sind:

  • Stigma und Scham („Ich sollte das im Griff haben“)
  • Angst vor Kontrollverlust
  • Rationalisierung („Nach dem nächsten Projekt wird es besser“)
  • Vertraulichkeitsbedenken bei betrieblichen Unterstützungsangeboten

Hinzu kommt:

Viele klassische Angebote greifen zu kurz.

Sie erfassen die Komplexität dieser inneren Spannungsfelder nicht.

WAS HINTER DEN SYMPTOMEN LIEGT

Psychosomatische Beschwerden sind selten zufällig.

Häufig geht es um:

  • ungelöste innere Konflikte
  • dauerhaft übergangene Bedürfnisse
  • ein Leben, das zu weit von den eigenen Werten entfernt ist

Negative Gefühle spielen dabei eine zentrale Rolle.

Sie zeigen an, dass etwas nicht stimmt.

Wenn sie konsequent reguliert oder vermieden werden, geht nicht nur der Zugang zu ihnen verloren – sondern oft auch zu positiven Emotionen.

Das Leben wird funktional.

Aber innerlich leer.

WAS VERÄNDERUNG MÖGLICH MACHT

Es geht nicht darum, weniger leistungsfähig zu werden.

Es geht darum, wieder in Kontakt zu kommen:

  • mit eigenen Grenzen
  • mit Gefühlen
  • mit inneren Konflikten

Psychotherapeutische Gespräche können dabei helfen, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen.

Nicht als „Optimierung“.

Sondern als Klärung.

Denn nachhaltige Veränderung beginnt meist dort, wo Sie aufhören, sich selbst zu übergehen.

Fazit

DER KÖRPER ALS letztes Signal

Psychosomatik ist kein Zufall.

Sie ist oft die Konsequenz eines Systems, das lange funktioniert hat –

aber an einer entscheidenden Stelle nicht mehr trägt.

Der Körper sagt nicht grundlos „Stopp“.

Er sagt es, wenn andere Signale überhört wurden.

Was Unterstützung gelingen lässt

Als Heilpraktiker für Psychotherapie mit jahrzehntelanger Erfahrung in Unternehmen, verstehe ich diese Spannungsfelder und auch die Zurückhaltung gegenüber Unterstützungsangeboten gut und bin im Rahmen eines Coachings oder einer Psychotherapie Ihr Gesprächspartner auf Augenhöhe. Wenn Sie Tipps und Tricks wollen, bin ich allerdings nicht der Richtige, wenn Sie sich selbst besser verstehen und wieder spüren wollen und offen für neue Wege sind, dann rufen Sie mich gerne an unter 0151 51761665 oder schreiben mir eine Email an kontakt@lars-heemann.de für ein unverbindliches Erstgespräch.

Stärke zeigt sich nicht im Durchhalten – sondern in der Fähigkeit, den eigenen Zustand ehrlich wahrzunehmen und rechtzeitig Unterstützung zu suchen. Das ist keine Schwäche. Es ist Führungsverantwortung.

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